7                  Fazit und Ausblick

Dieses Kapitel zieht ein Resümee der Arbeit und gibt einen Ausblick auf offene Fragen, die in weiter­führenden Arbeiten betrachtet werden sollten.

Es wurde dargelegt, daß die Evolution von Frameworks ein unvermeidlicher Vorgang ist. Er ist zu einem wesentlichen Teil in der Evolution des Anwendungsbereichs und dem Verständnis desselben begründet. Die exemplarisch aufgezeigten Evolutionsschritte des Telefonie-Frameworks machen dies deutlich. Das Wissen um die typischen Merkmale der Framework-Evolution legt den Grundstein zur Beurteilung der Folgen von Design­entscheidungen bei der Framework-Entwicklung.

Es wurde jedoch auch deutlich, daß man auf vielen Ebenen mit der Evolution umgehen kann und daß wir als Software-Entwickler sehr wohl einen Einfluß auf die Auswirkungen und Konsequenzen der Evolution haben. Das Spektrum der Einflußmöglichkeiten reicht von Methoden, um die bei der Analyse bereits gemachte Erfahrungen besser in das Framework-Design zu integrieren, bis zu speziellen Implementationstechniken, die die Konsequenzen von unerwarteten Modifikationen mindern.

Irving und Eichmann stellen in ihrer Arbeit fest, daß das Streben nach Wiederverwendbarkeit ein Streben nach Adaptierbarkeit bedeutet: "anything built to be reusable is effectively built to be adapted" (siehe [Irving 96]). In dieser Arbeit über Framework-Evolution geht es mir ähnlich. Ich stelle fest, daß Anpaßbarkeit eine wichtige Grundvoraussetzung für die Evolutionierbarkeit eines Frameworks ist. Die Evolutionsschritte des Telefonie-Frameworks belegen die Wichtigkeit von Implementationstechniken, die spätere Änderungen und Erweiterungen nicht behindern. Mindestens ebenso wichtig ist jedoch eine Modellbildung im Framework, die es ermöglicht, so viele Erfahrungen aus der bisherigen Systementwicklung wie möglich in das Framework aufzunehmen und auf diese Weise ein möglichst stabiles Design zu erreichen.

Die Aufteilung von Frameworks in einzeln evolutionierende Partitionen ist der wichtigste Beitrag, den diese Arbeit zur Diskussion über adäquates Framework-Design liefert. Auch wenn die Gedanken zur Modularisierung von Softwaresystemen keineswegs neu sind, ist eine Rück­besinnung auf sie auch in der objektorientierten Programmierung durchaus fruchtbar und bereichernd.

Die vorgestellte Ausrichtung an den bisher üblichen Begriffen und Konzepten des Anwendungs­bereichs als Partitionierungskriterien ist  übertragbar auf andere Anwendungs­bereiche, für die Frameworks erstellt werden sollen. Die Erfahrungen mit dem Telefonie-Framework zeigen, daß es für die Evolution eines Frameworks äußerst förderlich ist, wenn das fachliche Modell, das es verkörpert, dem existierenden Modell möglichst ähnlich ist. Es lassen sich so viele Erfahrungen in die Frameworkentwicklung einbringen, die auf ein völlig neues Modell nicht anwendbar gewesen wären.

Das im Rahmen dieser Arbeit entwickelte Framework hat sich in der Praxis bewährt und hat gezeigt, wie vorteilhaft sich die Partitionierung auf die Evolution eines Frameworks auswirkt. Die gestellten Ziele der Frameworkentwicklung konnten voll erreicht werden. Zur Zeit wird die Umstellung weiterer Prozesse des Micrologica Communication Center auf Framework-Technik erwogen.

Die Frage nach dem Umgang mit der Evolution von Frameworks ist mit dieser Arbeit sicherlich nicht endgültig beantwortet. Die Betrachtung beschränkte sich hier auf den Ein-Prozeßraum. Aufgrund der steigenden Komplexität der heutigen Systeme geht der Trend jedoch immer stärker zu verteilten Systemen. Dadurch stellt sich für weitere Arbeiten die Frage, wie man über Prozeßgrenzen hinaus evolutionsfähige Systeme erstellen kann. Dies wird in Zukunft zu untersuchen sein. In [MätBisch 96] werden bereits Vorschläge zur losen Kopplung von Prozessen gemacht. Es wäre die Frage zu klären, ob man ähnliche Partitionierungs­kriterien verwenden kann, um zu einer Aufteilung in mehrere Prozesse zu kommen.

Einer umfassenderen Betrachtung bedarf auch die Berücksichtigung der Evolution im Entwicklungs­prozeß. Die Erörterung der damit verbundenen Management-Aspekte geht über die Möglichkeiten dieser Arbeit hinaus und bleibt weiteren Arbeiten vorbehalten.

 


 


Last updated: 24. Aug 2005
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